Kakao Mischa: Was ist meine Medizin?

"Durch die Illusion hindurchsehen." (Spruch auf der Karte)

Seit meinen teenager Jahren therapiere ich mich selbst.

Anfangs sehr unbewusst mit Alkohol und Cannabis. Meine Zuflucht in einer Existenz, die weder stimmig, noch angenehm oder sinnvoll ist. Als das auch nicht mehr half, griff ich zu stärkerer Medizin. Ecstasy und Amphetamin kamen dazu und brachten mir bei, was es bedeutet aus mir heraus zu gehen, offen zu sein und zu tanzen als gäbe es kein morgen mehr.

Entheogene wie Pilze und LSD entführten mich in eine Welt, die ich zwar nicht verstand, jedoch erfuhr und die sich für mich allemal sinnvoller anfühlte, als die akademische. Ich lernte die Kraft meines Verstandes zu erkennen und erkannte die Relevanz von Set und Setting und die Schönheit der Natur. Ketamin zeigte mir, was es heißt objektiv zu sein. Non-attached, wie es in der spirituellen Welt heißt. Losgelöst vom materiellen und emotionalen Strudel, durch's Universum vibrierend.

Und dann kam Sie, die alte, weise Großmutter Aya, welche mir erstmals im Dschungel Perú's eine Lehre erteilte, deren Integration über zwei Jahre dauerte. So reichhaltig die Message, so heftig die Erfahrung. In dieser Nacht fasste ich erstmals den wahren Entschluss, mich Kakao zu widmen, komme was wolle. Doch diese Erfahrung soll heute nicht Teil meiner Erzählung sein. Ayahuasca hat mich seitdem begleitet, gerufen, verbunden, gefordert und gelehrt.

Somit habe ich die letzten 10 Jahre meines Lebens im Verbund mit Medizin gelebt, auf welche ich mich stützte. Medizin, die mich heil machte und mir wissen brachte. Medizin, die manchmal sogar Spaß machte. Fantastisch, oder? Jein. Denn vor kurzem durfte ich meine Zeremonie beenden mit der bitteren Einsicht, dass ich in all den Jahren meine Heilung veräußerlicht hatte. Ich dachte, ich müsse sie rauchen, schlucken, schnupfen, atmen oder trinken. Sie einnehmen, denn sie ist außerhalb von mir, noch nicht da, bei jemand anders.

So wundervoll die Medizin auch war, ich war gefangen im Konstrukt, dass ich sie bräuchte. Und ich war cool damit. Ich wusste wo ich sie kriege und war somit in einem funktionierenden Abhängigkeitsverhältnis. Ganz nach dem Motto "Ihr führt mich zu mir und ich nehme alles in Kauf, was es braucht" wand ich mich an die Heilfplanzen und Substanzen, setzte Intentionen und "machte die Arbeit".

Es fiel mir wie Schuppen von den Augen, zu bemerken, dass ich all die Jahre gefangen war in diesem Heilungs-Konstrukt. Wie eine Maus im Labyrinth, die den Blick von oben nicht kriegt und so eingenommen ist von der Herausforderung des Rätsels. Vielleicht lauert an der nächsten Ecke ja das Ziel? Die Erleuchtung? Die Heilung? Vielleicht...
Lachend kam ich aus der Zeremonie, warf meinen Rapé-Applikator in's Feuer und sagte zu mir selbst: Es reicht. Keine Umwege mehr. Keine "geheimen Verträge" mit Medizin, Lehrern und der Erde. Alles was ich brauche ist da. Und alles was nicht da ist, brauche ich nicht.

Medizin, so durfte ich lernen, heilt nicht. Sie kann bestenfalls die Gegebenheiten begünstigen, sodass Heilung den Weg in mein System findet. Und hätte ich das vor zwei Wochen gelesen, so hätte ich zustimmend genickt, doch verstanden hätte ich es nicht. Und nun meine Frage an Dich, liebe Leserin, lieber Leser: Wo nimmst du noch Umwege zu dir selbst? Wo glaubst du, du könntest nicht "allein"?

Von was machst du dein Wohlbefinden abhängig? Nimm das einfach mal wahr... der Rest passiert von allein.

Du brauchst nichts zu ändern, das tut es von selbst.

In Liebe, Dein Mischa
verfasst von Mischa Levit

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