Wie aus einer Begegnung 2023 eine Partnerschaft wurde – und warum das Sanctuary in Cusco gerade einen Meilenstein erreicht hat, der alles verändert.
📖 Schon gelesen? Im Januar haben wir bereits über unseren Besuch im Cochahuasi Animal Sanctuary berichtet. Heute wollen wir tiefer eintauchen: Wie die Geschichte mit Cochahuasi eigentlich begann, warum es dieses Sanctuary überhaupt braucht – und welcher historische Schritt 2026 nun für die Tiere möglich wurde.
Der Anfang: Eine Begegnung im Jahr 2023
Bevor der Kakao Mischa Impact Fund überhaupt existierte, stand ich 2023 zum ersten Mal vor den Toren der Reserva Cochahuasi. An meiner Seite war Rosaura von Original Beans, unsere Sourcing-Partnerin und Bohnenexpertin vor Ort in Peru. Sie sorgt dafür, dass nur die besten Kakaobohnen ihren Weg in unsere Schokolade finden – und sie war es, die mich an diesem Tag mit Dante bekannt machte, dem Gründer des Sanctuary.
Was als Tagesausflug begann, wurde zur Initialzündung für eine Partnerschaft, die wir uns damals noch gar nicht ausmalen konnten.

Warum es Cochahuasi überhaupt braucht
Was viele nicht wissen – und was mir Dante an diesem Tag eindrücklich erklärte: In Peru ist der Handel und die Misshandlung von Wildtieren zwar verboten. Aber der Staat unterhält keine eigenen Auffangstationen. Wenn die Polizei misshandelte Tiere beschlagnahmt, gibt es schlicht keinen offiziellen Ort, an den sie gebracht werden könnten. Das tragische Ergebnis: Viele dieser Tiere werden eingeschläfert, weil niemand weiß, wohin mit ihnen.
Genau diese Lücke füllt Cochahuasi – seit 2007, komplett aus eigener Kraft. Ohne staatliche Mittel, ohne große NGO-Förderung, finanziert allein durch Tourismus, Spenden und Partnerschaften wie unsere.
Die Geschichten hinter den Tieren
Bei meinem Rundgang mit Dante – über eine Stunde durch das gesamte Gelände – erzählte er mir die Geschichte hinter jedem Bewohner. Und diese Geschichten sind hart:
- Pumas, die als Attraktion in Nachtclubs in Lima gehalten wurden
- Brillenbären aus Wanderzirkussen
- Papageien, die in Plastikröhren versteckt nach Europa geschmuggelt werden sollten
- Anden-Kondore, deren Federn für schamanische Rituale gerupft wurden – getrieben vom Aberglauben, sie würden Glück bringen oder seien gefährliche Raubtiere (übrigens beides falsch: Anden-Kondore ernähren sich ausschließlich von Aas)
Viele dieser Tiere sind vom Aussterben bedroht, einige sogar stark. Cochahuasi ist für sie die letzte Chance.
Das Beeindruckendste: Fast die Hälfte kommt frei
Was mich an diesem ersten Besuch am meisten überrascht hat: Fast die Hälfte aller hier aufgenommenen Tiere kann irgendwann wieder in die Wildnis entlassen werden.
Das erfordert immense Arbeit, Wissen und Geschick – und gelingt nur dank engagierter Volunteers (viele davon übrigens aus Deutschland), die als Tierärzt:innen ehrenamtlich vor Ort helfen.
Ein Highlight des Sanctuary ist das Anden-Kondor-Auswilderungsprogramm. Cochahuasi ist möglicherweise eines der erfolgreichsten Kondor-Auswilderungsprojekte in ganz Südamerika. 2019 wurde sogar ein Kondor mit GPS-Sender freigelassen, dessen Daten zu Flugverhalten, Höhe und Nistplätzen direkt in die Forschung fließen.

Ein Ara vor dem dramatischen Himmel des Sacred Valley.
Vom Besuch zur Partnerschaft: Der Impact Fund
2024 war es schließlich soweit: Wir haben den Kakao Mischa Impact Fund ins Leben gerufen. Das Prinzip ist einfach – für jedes gehandelte Kilo Kakao fließt 1 € in den Fund. Dieser unterstützt transparent und langfristig Projekte entlang unserer Kakaolieferkette und darüber hinaus.
Seit 2024 sind so über 50.000 € in den Impact Fund geflossen – ein nennenswerter Teil davon direkt nach Cochahuasi. Über die konkreten Maßnahmen aus unserem Besuch im März 2025 (Schildkröten- und Huallata-Gehege, Sanierung der Kondor-Brücke, Futter für die Nebensaison) haben wir hier ausführlich berichtet.

Ein historischer Schritt: Die offizielle Anerkennung 2026
Und jetzt kommt das, was uns aktuell am meisten begeistert.
Lange Zeit war es für Dante und sein Team unglaublich mühsam, ihre Arbeit zu tun. Selbst um ein gerettetes Tier offiziell auswildern zu dürfen, brauchte es formale Anträge, die sich über Monate ziehen konnten. Ein bürokratisches Hemmnis, das mitten im Tierschutz wirklich keinen Platz hat.
Dank der hartnäckigen, fachkundigen Arbeit von Dante und seinem Team hat Cochahuasi seit 2026 die offizielle Anerkennung als Animal Sanctuary von der peruanischen Regierung. Das bedeutet:
- Deutlich weniger Papierkram im Alltag
- Schnellere Aufnahmeprozesse bei beschlagnahmten Tieren
- Vereinfachte Auswilderungsverfahren
- Und vor allem: mehr Tiere, die rechtzeitig gerettet und freigelassen werden können
Wir sind unfassbar stolz und dankbar, ein kleiner Teil dieses Weges sein zu dürfen.

Der Blick nach vorne: Ein neues Grundstück für die Wildnis
Auch wenn so viele Tiere in Cochahuasi ein Zuhause finden – die Realität ist: Es gibt noch viel mehr Tiere in Peru, die dringend Hilfe brauchen. Tiere, die aktuell entweder eingeschläfert werden müssen oder weiterhin in schrecklichen Bedingungen leben, weil die Kapazität fehlt.
Deshalb entsteht gegenüber von Cochahuasi gerade etwas Neues: Auf einem zusätzlichen Grundstück – das Rosaura von Original Beans mitbesitzt – werden weitere Gehege errichtet, vor allem für Kondore und Pumas. Aber nicht als Touristenattraktion, sondern als letzte Stufe vor der Auswilderung: Bereiche, wo sich die Tiere ohne menschlichen Einfluss an die Wildnis gewöhnen können.
Es ist ein Spagat, den jedes Sanctuary kennt: Tourismus finanziert die Arbeit – aber das eigentliche Ziel ist, dass die Tiere wieder gehen dürfen. Mit dem neuen Grundstück, das hoffentlich noch 2026 realisiert wird, kann dieser Spagat besser aufgehen.

Was bleibt: Verbindung schaffen
Was mich auch beim zweiten Besuch besonders bewegt hat, war zu sehen, wie tief die anderen Besucher von diesen unschuldigen, seltenen Wesen berührt waren. Wie Menschen, die vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben einem Kondor in die Augen schauen, eine echte Verbindung zur Tierwelt aufbauen.
Und genau darum geht es uns mit dem Impact Fund. Es ist keine Wohltätigkeit aus der Distanz. Es ist eine Brücke zwischen den Menschen, die unseren Kakao genießen, und den Tieren, die in den Anden ein zweites Leben bekommen.

Du willst Teil dieser Reise sein?
Die einfachste Art, Cochahuasi zu unterstützen: Ein Kilo Kakao bei Kakao Mischa kaufen. Pro gehandeltem Kilo fließt 1 € in den Impact Fund – und ein nennenswerter Teil davon nach Cusco.
Oder, wenn du mal in Peru bist: Plant eine Stunde extra in eurem Sacred-Valley-Tag ein, kommt nach Cochahuasi vorbei, sprecht mit Dante. Jedes Ticket finanziert direkt die Rettungsarbeit.
Mehr über das Sanctuary: cochahuasi.net
Mehr über unseren Impact Fund: kakaomischa.de/blogs/kakao-mischa-impact-fund
Diese Tiere haben so viel Weisheit zu zeigen. Es liegt an uns, dafür zu sorgen, dass sie nicht verschwinden.
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