Unsere Reise zu den verborgenen Kakao-Gemeinden von Jolomijix

Im März 2025 machten wir uns auf den Weg in einen der abgelegensten Winkel Guatemalas: tief in die nebelverhangenen Berge der Sierra de las Minas Biosphärenreserve in Alta Verapaz. Unser Ziel waren fünf kleine Q’eqchi’-Maya-Gemeinden, die zusammen Jolomijix heißen – „Kopf des Jaguars“. Der Name stammt aus einer Zeit, in der in diesen Wäldern noch Jaguare streiften und ihre Schädel in den Bergen gefunden wurden.

Die Fahrt führte uns von Guatemala-Stadt über Cobán nach Telemán und von dort noch eine holprige halbe Stunde weiter in den Nationalpark. Hier leben einige der ärmsten Familien Guatemalas – Menschen, die gerade erst beginnen, durch nachhaltigen Kakaoanbau eine bessere Zukunft für sich und ihre Kinder aufzubauen.

Schon am ersten Tag trafen wir Vicente, den Präsidenten der Kooperative AJ-ASIPASM. Die Kooperative vereint über 350 Kleinbauern aus 16 Gemeinden. Viele von ihnen bewirtschaften weniger als ein Hektar – manche haben nur eine Handvoll Kakaobäume auf ihrem Land. Vicente zeigte uns, wie sie durch die Zusammenarbeit bessere Preise erzielen, die Qualität steigern und lernen wollen, den Kakao noch besser anzubauen, ohne den Wald zu schädigen.

Der Kakao aus Jolomijix hat einen Criollo-Anteil von rund 50 % und bringt intensive fruchtige und karamellige Noten mit. Wir besichtigten die Fermentationsstation mit Holzkisten und Bananenblättern und die Trocknungsanlage. Besonders deutlich wurde: Die Kooperative kämpft mit stark schwankenden Weltmarktpreisen und ist dringend auf faire, langfristige Abnehmer angewiesen.

Am Nachmittag ging es weiter in den Kakao-Wald. Wir kletterten etwa 200 Meter den Berg hinauf, bis wir einen Fluss erreichten. Dort, versteckt zwischen dichtem Grün, wuchsen alte Kakaobäume, die schon mehrere Generationen überdauert haben. Die reifen Schoten leuchteten tiefrot, die unreifen noch grün. In Jolomijix gibt es zwei Erntezeiten im Jahr. Weil nur wenige Bauern in dieser abgelegenen Region Kakao anbauen und die Mengen sehr klein sind, ist dieser Kakao extrem limitiert – ein echter Schatz aus dem Urwald.

Der zeremonielle Morgen in der Höhle

Der zweite Tag wurde zu einem echten Abenteuer. Es war Ankas Geburtstag, und wir hatten Vicente und der Gemeinde im Voraus mitgeteilt, dass wir etwas Besonderes vorhatten. Am frühen Morgen trafen wir uns mit vielen Mitgliedern der Gemeinde Cholomijix an einem Parkplatz an der Landstraße. Die Menschen – besonders viele Kinder – waren in Weiß und Rot gekleidet und wirkten feierlich und erwartungsvoll.

Gemeinsam stiegen wir etwa 200 Stufen einen steilen Hügel hinauf. Oben wartete eine riesige Höhle – groß genug für 50 bis 100 Menschen. Vor dem Eingang brannte bereits ein großes Feuer. Der Maya-Priester Miguel bereitete alles vor: Er markierte die vier Himmelsrichtungen mit farbigen Kerzen, Holz, Räucherwerk und rituellen Gegenständen.

Ich hatte etwas mitgebracht, das mir besonders wichtig war: eines der allerersten Proben des neuen Kakaos aus ihren Bohnen. Ich fragte Miguel, ob ich es als Opfer ins Feuer geben dürfe – als Bitte um Erlaubnis, ihren Kakao mit der Welt zu teilen. Er war einverstanden. So landete ein halbes Kilo unseres Kakaos mitten im heiligen Feuer.

Miguel, der Maya-Priester

Danach zündeten vier Männer große Tabakrollen (Puros) an und segneten das Feuer. Der Priester sprach Gebete auf K’iche’, die Gemeinde antwortete. Dann tanzten die Frauen und Kinder barfuß um das Feuer, während dichter Rauch aufstieg. Die Hitze war intensiv, der Rauch schwer. Als das Feuer kleiner wurde, formte sich aus dem letzten Rauch eine spiralförmige Säule – wie ein kleiner Tornado. Für die Maya war damit das Gebet zu den Göttern und in die Unterwelt aufgestiegen. Die Zeremonie war beendet.

Anschließend tranken wir alle süßen Kakao aus kleinen Kalebassen und gaben etwas davon auch der Natur zurück. Es war ein Morgen, den wir nie vergessen werden.

Geburtstagsfeier im Dorf und Abschied vom Wald

Danach feierten wir Ankas Geburtstag bei einer Maya-Familie. Es gab Musik, Luftballons, einen Kuchen und kräftige Geburtstagslieder der Maya-Frauen. Die ganze Nachbarschaft war da – jung und alt.

Später besuchte ich noch den Kakao-Wald von Augustin, einem der Bauern, und wir sprachen über die Herausforderungen des Anbaus und den Wunsch nach fairen, langfristigen Preisen.

Warum dieser Kakao so besonders ist

Dieser Kakao ist nicht für die Masse gedacht. Die Mengen sind sehr klein, die Ernte limitiert und der Weg von den alten Bäumen am Fluss bis zu uns lang. Er kommt von Menschen, die trotz begrenzter Mittel großzügig und offen sind und eine alte Kultur lebendig halten, die lange bedroht war.

Wenn du diesen Kakao trinkst, dann weißt du: Du unterstützt Familien, die wenig haben, aber viel geben – und du verbindest dich mit einer Gemeinschaft, die ihren Kakao nicht nur anbaut, sondern auch in ihren Ritualen ehrt.

Wir werden diesen besonderen Kakao schon bald mit unserer engsten Community teilen. Am 6. April gibt es dazu ein Instagram Live mit mir – dort erzähle ich noch mehr Details von der Reise und der Zeremonie.

Bist du bereit, diesen verborgenen Schatz mit Respekt und offenen Sinnen zu empfangen?

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